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Denkmal des Monats

März 2018: Kruzifixus, Domschatz, Halberstadt

Ungeklärt sind Provenienz und ursprüngliche Funktion des Bildwerks, das heute zum reichen Sammlungsbestand des Halberstädter Domschatzes zählt. Mit einer Körperhöhe von 99 Zentimetern und einer Armspannweite von 93 Zentimetern zählt die Skulptur des Gekreuzigten nicht zu den bekannten monumentalen Kruzifixen der Zeit um 1200/30 im mitteldeutschen Raum. Vielleicht bildete das Kreuz ehedem den liturgischen Mittelpunkt einer kleinen Kirche oder einer Kapelle im Kontext eines Klosters oder Doms.
Entstanden um 1200, steht das wegen seiner kostbaren Originalfassung bemerkenswerte, aus Birnbaumholz gefertigte Werk an einer Zeitenwende. In Körperhaltung und Duktus noch ganz romanisch (vergleichbar auch die nebeneinander auf einem Suppedaneum ruhenden Füße) kündigt sich doch eine neue theologische und künstlerische Sichtweise an (Abb. 1).

In Körperhaltung und Duktus noch ganz romanisch, darauf deuten die nebeneinander auf einem Suppedaneum ruhenden Füße hin, kündigt sich doch eine neue theologische und künstlerische Sichtweise an. Das eindrucksvolle, von strähnigen Haaren gerahmte Gesicht weist bereits durchaus individuelle Merkmale auf. Noch wird der Heiland nicht im Todeskampf gezeigt, doch hebt sich der verklärt-melancholische Blick mit den weit aufgerissenen Augen deutlich ab von den vor dem als Sieger über den Tod, oft mit Krone wiedergegebenen Darstellungen als Christkönig (Abb. 2).
Das schräg über die Beine gezogene, außen grün, innen rot gefasste Lendentuch, typengeschichtlich herzuleiten vom um 1000 entstandenen Bernward-Kruzifixus im Hildesheimer Domschatz, kontrastiert eindrucksvoll mit dem hellen Inkarnat. Ungemein plastisch und fein, wie ziseliert, sind Barthaare und Augenbrauen gestaltet. Die wohl im niedersächsischen Kunstkreis entstandene Skulptur des Gekreuzigten wird heute von einem modernen Bretterkreuz hinterfangen.


Text: Mathias Köhler
Online-Redaktion: Anja Lochner-Rechta

 

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