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Denkmal des Monats

Oktober 2018: Paramentenschrank, ehemaliges Zisterzienserkloster, Schulpforte

Mit der 1137 erfolgten Verlegung eines Zisterzienserkonvents aus Schmölln bei Altenburg nach Pforte in die unmittelbare Nachbarschaft der Stadt Naumburg gelang die Ansiedlung des bedeutendsten und einflussreichsten Reformordens im Saale-Unstrut-Gebiet. Von hier sollten im 12. und 13. Jahrhundert entscheidende Impulse für die Region sowie für die weitere Verbreitung des Zisterzienserordens nach Schlesien, Polen und in das Baltikum ausgehen. Herausragende Zeugnisse der Spiritualität und der religiösen Kultur dieser Zeit finden sich noch heute in der seit 1543 als Landesschule genutzten ehemaligen Klosteranlage. Aus der Entstehungszeit des Klosters hat sich ein Ensemble von Möbeln überliefert zu dem auch zwei hervorragend erhaltene mittelalterliche Giebelschränke des 12. bis 13. Jahrhunderts gehören. Einer der beiden wertvollen Schränke befindet sich heute im Museum »Romanisches Haus« in Bad Kösen. Der schlanke und hoch aufragende Schrank besitzt eine fast quadratische Grundform und ist 2,76 Meter hoch (Abb. 1). Er wurde fast einheitlich aus massiven Tannenbohlen in sogenannter Stollenbauweise, mit verbindenden Holznägeln gefertigt und wird von einem pyramidenförmigen Dach bekrönt. Auf der Schauseite besitzt der Schank eine ehemals durch zwei Schlösser gesicherte, rundbogige Tür; auch die Öffnung im Dachaufsatz dürfte ehemals einen Türverschluss besessen haben.

Allseitig wird der Schrank durch eisernes Beschlagwerk zusätzlich konstruktiv verbunden und durch lilienförmige Endungen, Ringe und Schmucknägel aufwändig verziert (Abb. 2). Auch sind Fragmente einer ehemaligen Farbfassung erkennbar. Seine ursprüngliche Zweckbestimmung und sein ehemaliger Standort innerhalb der Kirche sind unbekannt. Anzunehmen ist jedoch, dass er als Aufbewahrungsort wertvollen kirchlichen Guts diente. Aufgrund seiner auffälligen Gestalt wird er heute im Allgemeinen mit der hängenden Lagerung von Textilien wie kleineren Antependien oder Stolen in Verbindung gebracht und daher meist als Paramentenschrank bezeichnet. Das schreinähnliche Aussehen lässt jedoch auch an die Aufbewahrung von Kelchen oder Reliquien denken. Gemeinsam mit dem zweiten, heute noch in der Klosterkirche zu findenden Schrank dürfte er sich immer in der Nähe des Chores befunden haben. Noch bis 1957 ist sein Standort in der nördlichen Chornebenkapelle St. Trinitatis der Klosterkirche belegt.


Text: Walter Bettauer
Online-Redaktion: Anja Lochner-Rechta

 

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