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Denkmal des Monats

Februar 2021: Villa Augustenstraße 7, Köthen

Das von dem Köthener Rentier und ehemaligen Bauunternehmer Ernst Carl 1904 unter Verwendung eines älteren gründerzeitlichen Vorgängerbaus errichtete Wohnhaus in Neurenaissanceformen birgt in der großbürgerlichen Wohnung der Beletage eine Kostbarkeit spätgründerzeitlicher Raumkunst und Innenarchitektur: einen als Grotte auf ovalem Grundriss angelegten Wintergarten, dessen westliche Seite nahezu gänzlich in Glas aufgelöst und in künstlerischer Weise farbenprächtig verglast ist. Dieses Fenster, das sich architektonisch weniger als Fenster denn als raumbeherrschendes leuchtendes Wandbild präsentiert, simuliert den Ausblick in eine exotische Landschaft orientalisch-tropischen Charakters (Abb. 1). Weder Entwurfsverfasser noch ausführende Glaswerkstatt ließen sich bislang für dieses eindrucksvolle Kunstwerk ermitteln.

Die Fenstergestaltung ist stilistisch inspiriert von den heute – abgesehen von den berühmten Lampenschirmen – eher wenig bekannten architekturgebundenen Glasfenstern des Amerikaners Louis Comfort Tiffany, die neben den einschlägigen architekturgebundenen Glasgestaltungen Frank Lloyd Wrights zu den damals auch in Europa vielbeachteten und bewunderten Zeugnissen moderner Glasmalerei nach dem Ausklang des Historismus zählten. Die großformatige Verglasung besteht aus 21 Glasfeldern, montiert in einem Metallrahmen mit aufgesetztem Stabwerk. Ein transparentes Mittelelement aus leicht getönten Antikgläsern eröffnet den Blick in den Gartenhof im Kontrast zu der in musivischer Glastechnik gestalteten, nahezu undurchsichtigen farbigen Szenerie. Aus einer breiten Palette von Ornament-, Opalescent- und Colorescentgläsern entwickelt das Fensterbild eine brillante Licht- und Farbwirkung. Gezielt werden ornamentale Glasstrukturen dem jeweiligen Gestaltungszweck entsprechend eingesetzt. Angesichts des länger währenden Leerstandes ist es fast ein Wunder, dass dieses fragile Kunstwerk verhältnismäßig unbeschadet die Zeit überdauert hat und jüngst auch restauriert werden konnte (Abb. 2).

 

Text: Holger Brülls
Redaktion: Sabine Meinel, Uwe Steinecke
Online-Redaktion: Anja Lochner-Rechta

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