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Denkmal des Monats

Mai: Kirche, Bad Bibra, Ortsteil Steinbach

Das Portal der Dorfkirche zu Steinbach bei Bibra im Burgenlandkreis zeichnet sich durch eine besonders qualitätvolle und auch motivisch ungewöhnliche Bauornamentik aus (Abbildung 1).

Es handelt sich um ein einfach gestuftes Sockelumlaufportal mit eingestellten Säulen und aufwändig profiliertem Rundbogenabschluss. Die Kapitelle der Säulen und der Portallaibung sind mit Reliefs verziert, ebenso das Tympanon – wie üblich vor allem mit stilisiertem, sich aber schon elastisch biegendem Blatt- und Rankenwerk. Während das Kapitell der östlichen Säule einen schönen Rankenüberschlag zeigt, ist dasjenige der westlichen Säule mit einem herabstoßenden Adler verziert. Der à jour gearbeiteten Tierskulptur fehlen zwar der Kopf und weitere Teile, doch immer noch ist erkennbar, wie der mächtige Vogel seine Fänge in den Halsring schlägt (Abbildung 2). Das Motiv verweist auf eine Metapher des Kirchenlehrers Ambrosius – der Adler schützt sein Nest gegen die Schlange so wie Christus die Kirche gegen den Teufel. Die Detailformen vor allem der Basenprofile deuten auf eine Entstehung des Portals in den 30er Jahren des 13. Jahrhunderts.

Adlerkapitelle sind in der mitteldeutschen Bauskulptur der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts vor allem von hochrangigen Baudenkmalen wie zum Beispiel der Naumburger Domkirche bekannt.

Das Steinbacher Beispiel steht jedoch den etwas älteren, eleganten Adlerkapitellen der Kathedrale zu Naumburg nicht sehr nahe, auch wenn sich die übrige Bauskulptur der Dorfkirche unverkennbar auf die des Doms bezieht. Somit zeugt die kleine Dorfkirche von der außerordentlichen Vielfalt der künstlerischen Produktion in den zwanziger und dreißiger Jahren des 13. Jahrhunderts in Mitteldeutschland sowie von den vielfachen Beziehungen zwischen den zeitgleich arbeitenden Werkstätten in Naumburg, Magdeburg und anderswo.


Text: Volker Seifert
Online-Redaktion: Anja Lochner-Rechta

 

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