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Denkmal des Monats

November: Kleiner Ratssaal, Rathaus, Markt 1, Stendal

Spätgotische Kielbogenportale des Flamboyantstils gibt es nicht nur aus Stein gehauen. Ein Beispiel ist der repräsentative Ausgang des heute »Kleiner Ratssaal« genannten Raums im Obergeschoss des Stendaler Ratsflügels (Abbildung 1). Kielbogenpforte und das Schnitzwerk der Vertäfelung von 1462 wurden bei der durchgreifenden Wiederherstellung der großen Ratsstube (von drei Fensterachsen Länge zur Windgasse und zwei Fensterachsen Breite zur Marienkirchstraße) im Jahre 1889 an deren Nordwand als beachtlicher Teil eines spätgotischen Reliefzyklus erhalten. Türblatt und fehlende Teile der Vertäfelung bis Kopfhöhe wurden ebenfalls 1889 ergänzt.

Darüber wurde die prächtige, mit Flachschnitzereien, ornamentalem und figürlichem Schmuck versehene Wand montiert. Ursprünglich umfasste der Reliefzyklus wohl Darstellungen von Kaiser und Kurfürsten sowie alttestamentliche Szenen. Der als Türrahmen dienende profilierte Kielbogen ist mit geflammten Krabben und gebuckeltem Laub geschmückt. Ein florales Stabmotiv trennt Kielbogenfeld und Supraporte. Im Hauptfeld der Türbekrönung präsentiert ein Engel zwei Wappen (Stadt- und Ratswappen) unter einem weiteren, maßwerkbekrönten Kielbogen. Dieser Kielbogen ruht auf zwei Baldachinen mit sitzenden Relieffiguren. Dargestellt sind vermutlich wichtige Gewerke. Das Türfeld ist an beiden Seiten gerahmt von vier schlanken Taustabsäulen auf zierlich profilierten Basen und mit gleichartigen Kapitellchen. Darüber befindet sich jeweils ein Podest mit floraler Flachschnitzerei für die darauf stehende Relieffigur, die ein Schriftband hält, in einer Scheinarchitektur mit kopfgeschmückten Diensten und Fialen mit Flammenblumen, die bis zum Profilbalken der Decke reichen.


Text: Luise Schier
Online-Redaktion: Anja Lochner-Rechta

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