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Fund des Monats

November: Aus der Not erwächst das Geld

Im Zuge des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Digitalisierungsprojets »Rares-Bares -Digitalisierung und Bereitstellung mitteldeutscher Fundmünzen als Fundament für die Rekonstruktion von Währungs- und Wirtschaftsräumen vom Mittelalter bis zur Neuzeit« werden neben Groschen, Schillingen und Pfennigen auch viele Taler digitalisiert. Bei über 18.500 Fundmünzen scheint dies erstmal keine große Überraschung zu sein. Eine runde Sache, könnte man meinen, aber dieser Taler hier hat Ecken und Kanten. Konkret handelt es sich bei dem numismatischen Objekt um eine knapp 27 Gramm schwere, einseitige Not- beziehungsweise Feldtalerklippe aus dem Jahre 1553. In der Mitte der Talerklippe ist das Schild der Hohenzollern zu sehen, darüber befinden sich die Buchstaben »A.M.Z.B«, was für »Albrecht, Markgraf zu Brandenburg« steht. Gemeint ist Albrecht II. Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach (1522 bis 1557) aus dem fränkischen Haus der Hohenzollern. Zu den Seiten des Wappenschildes ist das Jahr der Prägung (15 – 53) lesbar. Informationen zum Material der Münze lassen sich in der Literatur finden. 1897 veröffentlichte August Brause-Mansfeld ein Buch über »Feld-, Noth- und Belagerungsmünzen«, in welchem er seine gesammelten Belagerungsmünzen vorstellte. Er beschreibt darin, dass die Feldmünzen aus der Zeit Albrechts Alcibiades aus erbeuteten Silbergeschirr und Kirchenschmuck hergestellt worden sind. Die oben beschriebene Feldtalerklippe wurde vermutlich auch aus Kirchensilber herausgeschnitten und dann von nur einer Seite gestempelt.

Nach diesen Informationen zu der beschriebenen Talerklippe soll geklärt werden, was genau eine Klippe ist und durch was sich Feld-, Not- und Belagerungsgeld definiert. Klippen sind eckige Münzen oder Medaillen, die meist zu Zeiten der Not oder bei Belagerungen geprägt worden sind. Als eine Belagerungsmünze wird Notgeld bezeichnet, welches meist in belagerten Städten oder Festungen hergestellt wurde und sowohl der Entlohnung der Soldaten als auch der Aufrechterhaltung des hiesigen Zahlungsverkehr dienen sollte. War es nicht möglich, genügend Silber aufzutreiben, so behalf man sich mit anderen Metallen wie Zinn oder Kupfer. War selbst dies nicht möglich, wurde Pappe, Leder oder ähnliches verwendet. Solcherlei Münzen wurden bei vielen großen Belagerungen der Vergangenheit in Umlauf gebracht.

Das Prägejahr 1553 fällt in eine kriegerische Zeit des 16. Jahrhunderts in Franken. Albrecht II. Alcibiades, Markgraf von Brandenburg-Kulmbach und Bayreuth, unterstützte in seinen frühen Regierungsjahren Kaiser Karl V. im Kampf gegen Frankreich. Des Weiteren half er dem Kaiser im Schmalkaldischen Krieg, obwohl Albrecht Alcibiades selbst Protestant war. Nach einer Gefangenschaft durch den sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen und der Teilnahme am Fürstenaufstand im Jahre 1552 setzte der Markgraf von Brandenburg-Kulmbach und Bayreuth seine kriegerischen Ambitionen zunächst in der Rhein-Main-Region fort. Besonderes Augenmerk legte er aber auf die katholischen Hochstifte im fränkischen Gebiet. Dabei ging es dem protestantischen Markgrafen sowohl um das Zurückdrängen des Katholizismus als auch um die Vergrößerung des eigenen Einflussgebietes. Die Hochstifte Würzburg und Bamberg mussten in Folge des zweiten Markgrafenkrieges (1552 bis 1554) erheblichen Landbesitz an den noch jungen Albrecht Alcibiades abtreten. Zudem belagerte er erfolglos Nürnberg, plünderte jedoch das Umland. Die Reichsstadt Schweinfurt konnte Albrecht Alcibiades erfolgreich besetzen und bis zum Ende des Krieges als wichtigen Stützpunkt halten. Im Laufe der fortschreitenden Verwüstung, hervorgerufen durch die Truppen des Markgrafen, taten sich auf Bitten der Bischöfe von Würzburg und Bamberg mehrere betroffene Fürsten und der sächsische Kurfürst Moritz von Sachen zusammen, um Albrecht Alcibiades Einhalt zu gebieten. Dieser war in der Zwischenzeit in das Herzogtum Braunschweig eingedrungen, um neue Truppen für seine Streitmacht auszuheben. Am 9. Juli 1553 konnte der Fränkische Bund die Armee von Albrecht Alcibiades in der Schlacht bei Sievershausen unter der Inkaufnahme hoher Verluste erfolgreich schlagen. Nach weiteren Rückzugsgefechten stürmten im Juli 1554 Truppen des Fränkischen Bundes die Festung Plassenburg und zwangen den unter Reichsacht stehenden Markgrafen zur Flucht. Nach einem kurzen Aufenthalt in Frankreich verstarb Albrecht Alcibiades 1557 im Alter von 33 Jahren in Pforzheim.

Wie sich aus einem alten Inventarbuch des Archivbestandes entnehmen lässt, stiftete im August 1891 der bereits oben erwähnte Herr Hauptmann außer Dienst Brause-Mansfeld der Sammlung des Provinzialmuseums der preußischen Provinz Sachsen, eine Vorgängerinstitution des heutigen Landesmuseums für Vorgeschichte Halle (Saale), eine sogenannte »Schweinfurter Klippe«. Bei besagter Klippe handelt es sich um das oben beschriebene Stück, das höchstwahrscheinlich bei der Belagerung der Stadt Schweinfurt ausgegeben wurde. Schweinfurt wurde vom 1. bis zum 23. Juni 1553 erstmals belagert. Ab dem 27. März 1554 ließen die Truppen des fränkischen Bundes die Stadt erneut belagern. Dabei wurde die Stadt innerhalb von zehn Wochen sturmreif geschossen. Am 12. Juni 1554 zog Albrecht Alcibiades seine Truppen ab und überließ Schweinfurt den Bundestruppen. In diesem größeren Zeitraum muss die Münze geprägt und in Umlauf gebracht worden sein. Was mit der Münze nach dieser Zeit geschah, lässt sich leider nicht abschließend klären, da Brause-Mansfeld bei der Stiftung keinen Fundort beziehungsweise keinen weiteren Verbleib für die Talerklippe angab.

Text: Tino Polzin
Online-Redaktion: Anja Lochner-Rechta
 

Literatur

A. Brause-Mansfeld, Feld-, Noth- und Belagerungsmünzen von Deutschland, Österreich-Ungarn, Siebenbürgen, Moldau, Dänemark, Schweden, Norwegen, Russland, Polen u.s.w. (Berlin 1897).

Brandenburg in Franken und der Fränkische Reichskreis, die Sammlung Roland Grüber, Auktion 267, Münzenhandlung Fritz Rudolf Künker (Osnabrück 2015).

F. von Schrötter, Brandenburg-fränkisches Münzwesen 2, Das Münzwesen der hohenzollernschen Burggrafen von Nürnberg und der Markgrafen von Brandenburg in Franken 1515 – 1603 (Halle 1929).

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