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Die Welt der Himmelsscheibe von Nebra – Neue Horizonte

Eröffnung der Landesausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale)

3. Juni 2021

Die folgende Presseinformation ist auch als PDF zum Herunterladen erhältlich.

Vor fast 20 Jahren gelangte die Himmelsscheibe von Nebra und damit eines der faszinierendsten und bedeutendsten Objekte der Bronzezeit erstmals ins Licht der Öffentlichkeit. Vom 4. Juni 2021 bis zum 9. Januar 2022 präsentiert das Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale) in der großen Landesausstellung ›Die Welt der Himmelsscheibe von Nebra – Neue Horizonte‹ nun die weitreichenden Ergebnisse der Himmelsscheiben-Forschungen der letzten zwei Dekaden. Die Schau entführt den Besucher mit ihrer spektakulären Inszenierung anhand von 400 hochrangigen, teils noch nie in Deutschland gezeigten, Exponaten auf einer Ausstellungsfläche von rund 900 Quadratmetern in die längst vergangene Zeit der Himmelsscheibe von Nebra, eine Epoche, die mit ihren überregional-weitverzweigten Netzwerken gar nicht so verschieden von unserer heutigen, globalisierten Welt erscheint. Die Landesausstellung entstand in Kooperation mit dem British Museum in London und steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Seit die Himmelsscheibe von Nebra vor beinahe 20 Jahren erstmals im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle (Saale) präsentiert wurde, ist sie nicht nur zum Aushängeschild des Landesmuseums für Vorgeschichte, sondern auch zu einer unverwechselbaren kulturellen Leitmarke des Landes Sachsen-Anhalt und zu einem Wahrzeichen der Archäologie ganz Deutschlands geworden. Im Jahr 2013 wurde sie mit der Aufnahme in das Memory of the World-Register der UNESCO zudem in den Rang eines Weltdokumentenerbes erhoben. Bereits im Jahr 2004/2005 stand die Himmelsscheibe im Fokus der großen Landesausstellung ›Der geschmiedete Himmel‹. Das Voranschreiten der Forschung verschiedener Fachdisziplinen von der Archäologie zur Astronomie, von der Archäometrie bis zur Genetik erbrachte zahlreiche und weitreichende neue Erkenntnisse nicht nur zur Himmelsscheibe von Nebra selbst, sondern auch zu ihrem kulturellen Umfeld. Sie stehen im Fokus der neuen Landesausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle (Saale), die ab dem 4. Juni 2021 ihre Pforten für den Publikumsverkehr öffnet und unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier steht. Mit der Himmelsscheibe im Zentrum, versammelt die Landesausstellung auf rund 900 Quadratmetern Ausstellungsfläche 400 hochrangige Exponate und Exponatgruppen von 50 Leihgebern aus 14 Ländern, aus ganz Europa und dem Nahen Osten.

Die Landesausstellung wurde mit namhaften Mitteln des Landes Sachsen-Anhalt gefördert und entstand in Kooperation mit dem British Museum in London. Knapp 10 % der ausgestellten Exponate, darunter das noch nie in Deutschland gezeigte Cape von Mold, stammen aus Großbritannien. Dieses reichverzierte Goldblechcape schmückte im Wales der Frühbronzezeit vor circa 3900 bis 3600 Jahren die Schultern einer Dame mit besonderer Rolle im Kultgeschehen. Im Gegenzug wird die Himmelsscheibe von Nebra gemeinsam mit weiteren Leihgaben des Landesmuseums für Vorgeschichte im Jahr 2022 im Rahmen einer Stonehenge gewidmeten Ausstellung im British Museum in London zu sehen sein.

»Wir sind froh und stolz, die Himmelsscheibe zum reichen kulturellen Schatz unseres Landes zählen zu dürfen«, so der Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt Dr. Reiner Haseloff anlässlich der heutigen Ausstellungseröffnung. »Die neue Landesausstellung wird die zum UNESCO-Dokumentenerbe gehörende vorgeschichtliche Himmelsdarstellung noch bekannter machen und in größere Zusammenhänge einordnen. Ich wünsche der Ausstellung viele Besucherinnen und Besucher.«

Chronologischer Ausgangspunkt für die Ausstellung ist das ausgehende Neolithikum mit den Kulturkomplexen der Schnurkeramischen Kultur (2800 bis 2200 vor Christus) und der Glockenbecherkultur (2500 bis 2100 vor Christus). Neuesten archäogenetischen Untersuchungen nach ursprünglich aus den eurasischen Steppen eingewandert, waren sie die direkten Vorfahren der bronzezeitlichen Bevölkerung. Europaweit sind in dieser Zeit aufrecht stehende Steinstelen, sogenannte Menhire (bretonisch für ›lange Steine‹), verbreitet. Exemplare aus Sachsen-Anhalt stehen in der Ausstellung neben figürlich reich verzierten Stelen aus dem italienischen Alpental Val Camonica, die vermutlich im Zusammenhang mit einem Sonnen- und Ahnenkult standen.

Verbunden mit der eindrucksvollen Zentralinstallation werden im Kernteil der Ausstellung im Atrium des Landesmuseums die Himmelsscheibe von Nebra und ihre Beifunde zusammen mit weiteren rituell und kultisch bedeutsamen Objekten der Bronzezeit präsentiert. Neben dem bereits erwähnten Cape von Mold ist hier der ebenfalls zu einem Zeremonialornat gehörende Goldhut von Schifferstadt, Rheinland-Pfalz (1400 bis 1300 vor Christus) zu sehen. Mit den Vorstellungen eines Sonnenschiffs verknüpft sind wohl die Goldblechschiffchen von Nors aus Dänemark (1700 bis 1100 vor Christus) und das einzigartige, erstmals außerhalb von Großbritannien ausgestellte, aus Goldblech und Schiefer gefertigte Schiffsmodell von Caergwrle, Wales (1300 bis 1150 vor Christus).

Ein weiterer Themenkomplex der Ausstellung ist den Elitengräbern der frühen Bronzezeit gewidmet. In verschiedensten Regionen Europas bestattete man vom Ende des 3. Jahrtausends vor Christus bis in die Zeit der Himmelsscheibe hinein einige Tote in gewaltigen Grabanlagen mit reichen Grabbeigaben. Bestimmte Gegenstände galten an weit voneinander entfernten Orten gleichermaßen als besonders wertvoll und zeigen die überregionale Vernetzung der Eliten. Dazu gehören reich verzierte Waffen sowie Schmuck und Trinkgefäße aus Edelmetall. Dieser Reichtum weist darauf hin, dass die Macht in den Händen einer kleinen Gruppe auserwählter Menschen lag. Hier vereint die Ausstellung prächtige Grabbeigaben und Hortfunde aus Mittel- und Westeuropa mit den außergewöhnlichen Grabbeigaben aus El Argar in Spanien sowie aus dem durch Heinrich Schliemann entdeckten Gräberrund A und dem später ergrabenen Gräberrund B des legendären Mykene in Griechenland.

Durch die monumentalen Fürstengräber von Leubingen und Helmsdorf und die riesigen Metallschätze war der Reichtum der frühbronzezeitlichen Gemeinschaften an Saale und Unstrut bereits lange bekannt. In dieser äußerst fruchtbaren und verkehrsgeographisch günstig gelegenen Region hatte sich im späten 3. Jahrtausend vor Christus aus der Verschmelzung der Schnurkeramischen und der Glockenbecherkultur die Aunjetitzer Kultur entwickelt. Neue Ausgrabungen und Analysen boten nicht nur neue Erkenntnisse zum alltäglichen Leben dieser Gemeinschaft, sondern zeichnen auch das Bild eines frühen durchorganisierten Staates mit steiler Hierarchie und einem einzigen, überregional gut vernetzten Herrscher an der Spitze. Erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden in diesem Zusammenhang die erst vor wenigen Jahren geborgenen Funde und Befunde aus dem monumentalen, im 19. Jahrhundert abgetragenen Großgrabhügel ›Bornhöck‹ im Saalekreis.

Das berühmte Stonehenge im südlichen England und seine Umgebung wurden schon lange als sakrale Landschaft gesehen. Dies wird auch durch Funde reicher Gräber in der Umgebung unterstrichen, wie das des Amesbury Archer. Daher war es für die Forschung eine große Überraschung, als die Ausgrabungen der aus Holz gebauten Kreisgrabenanlage von Pömmelte-Zackmünde vor einigen Jahren zeigten, dass ihre Größe weitestgehend der von Stonehenge entsprach. Die strukturellen Ähnlichkeiten werden in diesem Themenblock durch Modelle der Anlagen visualisiert. Das sogenannte Ringheiligtum von Pömmelte wurde in der Zeit der Glockenbecherkultur errichtet und bis in die Frühbronzezeit genutzt. Eine weitere Überraschung kam im Rahmen weiterer Ausgrabungen im Umfeld des Ringheiligtums in Gestalt der nur einige hundert Meter von Pömmelte-Zackmünde entfernten Kreisgrabenanlage von Schönebeck zu Tage. Der Nutzungszeitraum dieser zweiten Anlage überschnitt den der ersten Anlage zumindest teilweise, allerdings wurden hier offensichtlich anders geartete rituelle Handlungen vollzogen. Während in Pömmelte anscheinend zahlreiche Opferungen, sogar von Menschen, stattfanden, liegen aus Schönebeck außer einem sogenannten Kissenstein als Sinnbild für Metallurgie keine Deponierungen vor.

Den Endpunkt der Ausstellung bildet der ›Aufbruch zu neuen Horizonten‹: Anhand weitgereister Objekte werden die idealisierten Reisen zweier Aunjetitzer ›Prinzen‹ nachvollzogen, die das auf der Himmelsscheibe von Nebra abgebildete astronomische Wissen und die mit der Schiffsdarstellung verknüpften religiösen Vorstellungen aus Mesopotamien beziehungsweise Ägypten mitgebracht haben könnten. Materielle Hinterlassenschaften der Reisen der Eliten sind insbesondere sehr kleine, wohl leicht mitzuführende Objekte wie Bernsteinperlen von den Küsten der Ostsee und Glasperlen aus Mesopotamien und Ägypten. Sie bilden gleichsam eine Spur von Nord- und Mitteleuropa bis in den Nahen Osten.

In ihnen und einigen weiteren Objekten manifestiert sich die enge Vernetzung der Eliten, die nicht nur exotische Güter, sondern auch Ideen, Wissen und religiöse Vorstellungen, wie im Fall der Himmelsscheibe von Nebra, untereinander austauschten.

Zur Landesausstellung wurden ein umfangreiches Begleitprogramm und Ausstellungen sowie Veranstaltungen mit und an den Korrespondenzstandorten Planetarium Halle (Saale), Arche Nebra, Sonnenobservatorium Goseck, Ringheiligtum Pömmelte und Salzlandmuseum Schönebeck konzipiert. Audioguides in deutscher und englischer Sprache sowie in einer Kinderversion ergänzen das Vermittlungsangebot im Landesmuseum für Vorgeschichte selbst.

Außerdem werden neben einem deutsch- und einem englischsprachigen Begleitheft zur Ausstellung auch ein umfangreicher Katalog und ein Motivkalender für das Jahr 2022 vorgelegt. Sie sind im Museumsshop des Landesmuseums sowie im Buchhandel erhältlich.

Ausstellungskatalog

Die Welt der Himmelsscheibe von Nebra – Neue Horizonte. Begleitband zur Sonderausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale), 4. Juni 2021 bis 9. Januar 2022 (Halle [Saale] 2020).

Herausgegeben von Harald Meller und Michael Schefzik.

Klappenbroschur
Umfang: 240 Seiten mit zahlreichen farbigen Abbildungen
Format: 25,4 x 30,0 Zentimeter
ISBN: 978-3-948618-08-7

Verkaufspreis: 19,80 €

Begleitheft

Die Welt der Himmelsscheibe von Nebra – Neue Horizonte. Begleithefte zu Sonderausstellungen im Landesmuseum für Vorgeschichte Band 8 (Halle [Saale] 2021).

Herausgegeben von Harald Meller und Michael Schefzik.

Texte von Jan-Heinrich Bunnefeld/Regine Maraszek/Tobias Mühlenbruch/Michael Schefzik/Nico Schwerdt/Bernhard F. Steinmann.

Umfang: 196 Seiten mit zahlreichen farbigen Abbildungen
Format: 13 x 21 cm
ISBN: 978-3-948618-18-6

Verkaufspreis: 9,80 €

Das Begleitheft ist auch auf Englisch erhältlich.

Kalender

Archäologischer Kalender Sachsen-Anhalt 2022

Format: 61,5 x 23,5 Zentimeter
ISBN: 978-3-948618-20-9

Verkaufspreis: 18,90 €

Kontakt

Dr. Alfred Reichenberger
Stellvertretender Landesarchäologe, Pressesprecher und Leiter der Öffentlichkeitsarbeit
+49 345 5247-312
areichenberger@lda.stk.sachsen-anhalt.de

Bildrechte der Pressefotos
Die Bildrechte an den Aufnahmen werden ausschließlich und einmalig für eine Publikation im Zusammenhang mit der Pressekonferenz erteilt. Jegliche Wiederverwendung oder Neuauflage ist vorab schriftlich zu beantragen. Eine anderweitige Verwendung ist nicht gestattet. Die Bildrechte liegen, soweit nicht anders angegeben, beim Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt. Das Copyright ist stets vollständig und korrekt anzugeben. Wir bitten um ein kostenloses Belegexemplar der Veröffentlichung.

Auf Wunsch schicken wir Ihnen die Bilder gern zu. Bitte wenden Sie sich an Dr. Bettina Stoll-Tucker: +49 345 5247-320 oder bstolltucker@lda.stk.sachsen-anhalt.de.

Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an oeffentlichkeitsarbeit@lda.stk.sachsen-anhalt.de.

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