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Denkmal des Monats

April 2021: Fachhochschule Anhalt, Bernburger Straße 52-57, Köthen

Das sogenannte Grüne Gebäude gehört zu den stadtbildprägenden Bauwerken der Hochschule Anhalt in der Bachstadt. Das ursprünglich als Chemisch-Technologisches Institut errichtete Gebäude entstand 1924 bis 26 nach Entwurf des Architekten Hermann Heinze (1878 bis 1930) und ist ein markantes Beispiel für die farbige Architektur in der Zeit des Expressionismus. Sowohl die Fassadenfarbigkeit als auch die Ausgestaltung des Gebäudeinnern war der Vorstellung einer »farbigen Architektur« im Sinne der expressionistischen »Farbenbewegung« Bruno Tauts und seiner Zeitgenossen verbunden. Der Maler Richard Degenkolbe (1890 bis 1974) aus Halle schuf 1926 für den Großen Hörsaal und das Vestibül Wand- und Glasmalereien, von denen nur die letzteren die Zeiten überstanden haben. Das Oberlicht des Vestibüls zeigt vier allegorische Figuren zu Themen der Ingenieurs-Wissenschaften (Abb. 1).

Im Vorraum des Hörsaals sind, eingespannt in eine getönte Rechteckverglasung, kleine Symbolfenster in expressiv-konstruktivistischem Stil mit modernen Industriemotiven erhalten geblieben, ausgeführt  in vorzüglicher glasmalerischer Qualität als Zuschnitt aus farbigen Echtantik- und Kathedralgläsern, mit patinierenden Überzügen und teils differenzierter Konturmalerei versehen (Abb. 2).
Die Ausführung erfolgte durch die Kunstglaserei G. Eisenberg/Köthen. Die Arbeiten sind bemerkenswerte Beispiele für die nichtsakrale Verwendung der Glasmalerei in der Zeit der Klassischen Moderne und des Expressionismus und für die Bedeutung, die der Glasmalerei in der Schul- und Wissenschaftsarchitektur der Zeit zwischen den Weltkriegen zukam.

 

Text: Holger Brülls
Redaktion: Sabine Meinel, Uwe Steinecke
Online-Redaktion: Anja Lochner-Rechta

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