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Fund des Monats

Februar: Wir bauen eine Burg!

Schanzarbeiten auf Burg Kalbe

Die Burg Kalbe ist eine Niederungsburg in den Sumpfwiesen der Milde. Vor der Kanalisierung im 18. Jahrhundert war die Milde nicht als Fluss erkennbar, sie bildete ein Netz aus Wasserrinnen und überflutete die Niederungen. Die Milde glich somit eher einem See als dem heutigen Wiesenfluss (Abbildung 1).

Burggeschichte(n)

Bis zu ihrer Zerstörung im Jahr 1632 galt die Burg Kalbe nach Tangermünde als die größte Burg der Altmark. Trotz ihrer außerordentlichen Bedeutung ist von der Baugeschichte nur sehr wenig bekannt. Es wird häufig behauptet, dass die Burg Kalbe auf eine sächsische Grenzbefestigung des 9./10. nachchristlichen Jahrhunderts zurückgeht, die an Stelle einer slawischen Wallburg errichtet wurde. Archäologische Belege liegen hierfür aber nicht vor.
1196 gelangte die Burg in Besitz des Erzstifts von Magdeburg. Bereits 1240 wurde sie nach der Schlacht bei Gladigau zerstört und fünf Jahre später wieder aufgebaut. Um 1296 gelangte die Burg an Droiseke von Cröchern, der sie 1324 an Albrecht von Alvensleben verkaufte. Nach einem Brand erfolgte 1580 der Wiederaufbau. Während des 30-jährigen Krieges geriet die Burg wiederholt in das Interessensgebiet der verschiedenen Kriegsparteien. Da zwar nicht die Burg, aber das Umland jedes Mal verwüstet wurde, befahl der Kurfürst Georg Wilhelm von Brandenburg, die Burg abzutragen. Heute sind von der Burg noch Reste des Palas, der Heiligkreuzkapelle und des Zwingers mit dem alten Wachhaus erhalten (Abbildung 2). Der überwiegende Teil der Kernburg ist mit Einfamilienhäusern bebaut.

Schaufeln, schaufeln, schaufeln…. damals und heute

Im Sommer 2004 waren im Zuge der Erschließung der Burg für die Abwasserentsorgung erstmals archäologische Untersuchungen möglich. Dabei gelang es, vier unterschiedliche Bauphasen herauszuarbeiten.

Obwohl teilweise Profiltiefen von über drei Meter erreicht wurden, konnten die Anfänge der Burg nicht erschlossen werden. Punktuelle Bohrprofile wurden bis auf fünf Meter Tiefe hinunter gebracht. Dennoch gelang es nicht, das ursprüngliche Geländeniveau zu ermitteln. Die Anlage steht auf mächtigen Aufschüttungen aus Ton und einem Sediment, das anscheinend aus dem Burggraben gewonnen wurde.
Bei den Erweiterungen an den Befestigungsanlagen geschah es sicherlich tagtäglich, dass das Werkzeug bei den Erdarbeiten zerbrach. Da die meisten Arbeitsgeräte aus Holz gefertigt waren, haben sie sich im Erdreich nicht erhalten. Im Zuge des Ausbaues der Burg um 1365 zerbrach bei der Aufschüttung des Burggeländes mit dem Aushub aus dem Burggraben wieder einmal eine Schaufel. Das Fragment konnte bei der diesjährigen Ausgrabung geborgen werden (Abbildung 3). Offensichtlich war das Schaufelblatt bei den schweren Arbeiten entlang der Faserrichtung gebrochen und in dem aufgeschütteten Erdreich verblieben. Aufgrund der Lagerung in dem feuchten Milieu hat sich das Holz erhalten. Die Schaufel war aus Erlenholz (oder Linde?) gefertigt. Das Schaufelblatt war noch auf einer Länge von 26 Zentimeter erhalten. Die Schneide war ausgebrochen, dass sich die ursprüngliche Länge leider nicht zuverlässig ermitteln lässt (Abbildung 4). Es wird jedoch nur ein kurzes Stück fehlen, sodass von einer Gesamtlänge von etwa 30 Zentimeter ausgegangen wird.

Im Mittelalter war der Festungsbau mit umfangreichen Erdarbeiten verbunden. Burgen wurden mit Wällen und Gräben gesichert oder Hügel aufgeschüttet, die den Verteidigungswert der Anlage steigerten. Oft wurde das Erdreich wurde mit einer Hacke gelockert, um anschließend mit einer Schaufel aufgenommen zu werden (Abbildung 5).

Als weiteres Werkzeug wurde auch der Spaten eingesetzt, der einen einseitigen Tritt verfügte. Im Gegensatz zu den Schaufeln war die Schneide des Spatens mit einem Eisenblech bewehrt (Abbildung 6). Trotz der weiten Verbreitung haben sich diese Holzwerkzeuge kaum erhalten. So ist es den besonderen Erhaltungsbedingungen in dem Milieu des aus dem Burggraben gewonnenen Sediments zu verdanken, dass sich von den Schanzarbeiten der Burg Kalbe auch ein typisches Werkzeug erhalten hat.

Text: Uwe Vogt
Online-Redaktion: Anja Lochner-Rechta

 

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