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Denkmal des Monats

Juni: Fliesen, Sommersaal, Schloss Oranienbaum

Die in das Fürstentum Anhalt-Dessau verheiratete oranische Prinzessin Henriette Catharina (1637 bis 1708) war bestrebt, ihre neue Lebenswelt ihrer niederländischen Herkunft anzugleichen. So ließ sie das ihr geschenkte, unweit von Dessau gelegene Dorf Nischwitz von dem aus ihrer Heimat stammenden Baumeister Cornelis Ryckwaert zu dem mit programmatischen Namen bedachten Städtchen Oranienbaum ausbauen.

Das neben der Kirche wichtigste Bauwerk in Oranienbaum stellt das vom selben Architekten entworfene, spätestens ab 1683 errichtete Schloss dar, welches in seiner äußeren Gestaltung Bezug nimmt auf den niederländischen Klassizismus des 17. Jahrhunderts.

Noch deutlicher wird das niederländische Erbe im Innern des Schlosses. Neben dem mit kostbaren, aus der Heimat der Prinzessin importierten ledernen Wandbehängen ausgestatteten sogenannten Ledertapetensaal, besteht der Erinnerungswert vor allem in dem im Untergeschoss angeordneten Sommersaal (Abb. 1).
Der Raum, über dessen ursprüngliche Zweckbestimmung nichts Genaues bekannt ist, zeigt sich an den Wänden und dem dreifeldrigen Kreuzgratgewölbe vollständig mit Fliesen verkleidet. Die Herstellung von Wandfliesen – vor allem von bemalten – hatte sich seit der Mitte des 17. Jahrhunderts in den Niederlanden zu einem bedeutenden Gewerbezweig entwickelt, der auch einen regen Export mit einschloss.
Bestimmt wird der Eindruck des Oranienbaumer Sommersaals nicht nur von der besonderen Oberflächenqualität eines gänzlich mit glasierten Fliesen ausgestatteten Raumes, sondern auch durch deren Bemalung (Abb. 2). Den Blick auf sich ziehen zunächst die fünf großflächigen, antike Gottheiten darstellenden Tableaus. Eingefasst werden diese von schachbrettartig angeordneten neu-tral-weißen oder in Delfter Blau bemalten Fliesen. Die darauf wiedergegebenen biblischen Szenen, wie die Sintflut oder die Flucht nach Ägypten, waren Stichen nachempfunden und verhalfen den Bibelfliesen zu einer weiten Verbreitung.
Die zu großen Teilen original erhaltene Ausstattung eines ganzen Raums mit niederländischen Fliesen des Barockzeitalters in der besonderen Zusammensetzung aus gemäldeartigen Tableaus und den populären, aber figürlich ungemein reizvollen Bibelfliesen verleiht dem Sommersaal einen besonderen Rang unter den Kennern historischer Fliesen.


Text: C. Bosch
Online-Redaktion: Anja Lochner-Rechta

 

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